Dr.in Alexandra Föderl-Schmid, Chefredakteurin und Co-Herausgeberin der Tageszeitung „DER STANDARD“ stand uns als Gesprächspartnerin für eine weitere Reihe von „mitmenschendenken“ zur Verfügung. Mit BSA-Landesvorstandsmitglied Dr. Dieter Troller sprach die Kurt-Vorhofer-Preisträgerin über die österreichische und internationale Medienlandschaft.

Das Schreiben sei ihr praktisch in die Wiege gelegt worden. „Ich wollte immer schon Journalistin werden“, stellte Föderl-Schmid gleich zu Beginn des Talks fest. Die gebürtige Mühlviertlerin (worauf sie großen Wert legt) ist in einem Lehrerhaushalt in Klaffer am Böhmerwald aufgewachsen und hat schon in der Schule gerne geschrieben. Ihre ersten Artikel erschienen in den „Mühlviertler Nachrichten“ (heute: „Oberösterreischische Rundschau“). Ihr Vater unterrichtete Geschichte im BRG Rohrbach, daher fand sie zuhause von Kind auf immer schon Tageszeitungen auf dem Frühstückstisch vor – politische Diskussionen im elterlichen Haushalt inklusive. Als Oscar Bronner 1988 mit dem „STANDARD“ eine neue Tageszeitung in Österreich gründete, begann Föderl-Schmid ihre journalistische Karriere in der sprichwörtlich „jungen“ Oberösterreich-Redaktion des Printmediums. 1993 wechselte sie als STANDARD-Korrespondentin nach Berlin, wo sie die ersten Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung hautnah miterlebte. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der deutschen Hauptstadt folgte 2005 der Ruf nach Brüssel, wo sie zu ihrer Überraschung feststellte, dass Transparenz in den europäischen Institutionen groß geschrieben wird. „Jeder Journalist hat Zugang zu allem, man findet Papiere oder Gesprächspartner, ganz gleich aus welchem Land man kommt“, merkte sie an, um gleichzeitig festzustellen, dass dies in Deutschland beispielsweise ganz anderes war. „Da gibt es eine klare Hackordnung: Zuerst kommen die deutschen Journalisten, dann kommt lange nichts.“ Als österreichische Medienvertreterin sei es immer besonders schwierig gewesen, ein Interview mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zu bekommen.

Erste weibliche Chefredakteurin Österreichs. Als sie bereits im Jahr 2006 wieder nach Wien zurückkehrte, übernahm sie eher widerwillig die Leitung des Wirtschaftsressorts, nichtsahnend, dass Herausgeber Oscar Bronner dies als Testlauf für höhere Weihen sah. Denn er hatte Föderl-Schmid bereits als Nachfolgerin für den scheidenden Chefredakteur Gerfried Sperl auserkoren. Als erste Frau übernahm sie am 1. Juli 2007 die Chefredaktion einer österreichischen Tageszeitung. Da ihr Mann zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre Chefredakteur des deutschen Nachrichtensenders n-tv war, wusste sie, welche Anforderungen damit verbunden waren. „Ich wusste aber nicht, wie klein dieses Land war und wie groß die Begehrlichkeiten“, konstatierte Föderl-Schmid. Das System Politik und Medien sei sehr eng verflochten – ganz anders als in Deutschland oder Brüssel. Im mittlerweile sechsten Jahr als Chefredakteurin finde sie sich auf dem rutschigen Wiener Parkett gut zurecht – auch, weil sie den Job mit sehr viel Abstand und Distanz wahrnimmt. Der Kontakt mit ihren LeserInnen sei ihr sehr wichtig, meint Föderl-Schmid: „Ich bekomme zwischen 300 und 400 Mails pro Tag. Alle persönlich Adressierten bekommen auch eine Antwort von mir.“ Das koste freilich Zeit und nicht selten sitzt die Journalistin bis Mitternacht, bis sie auch die letzte Mail beantwortet hat.

#6: Alexandra Föderl-Schmid

„Linksliberal“? Bei der Frage nach der Blattlinie holt Föderl-Schmid weiter aus: Das Ziel von STANDARD-Gründer und Herausgeber Oscar Bronner war eine Zeitung, die liberal und unabhängig ist. Er empfand gerade in der Waldheim-Ära das politische Klima im Land als sehr unerträglich. „Wir waren von Anfang an ein Kontrastprogramm zur Presse“, stellte Föderl-Schmid fest. Sie selbst fühle sich aber mit der Bezeichung „linksliberal“ nicht ganz so wohl, weil „liberal“ in Österreich auch mit der FPÖ zu tun habe. Eine liberale Tradition gebe es hierzulande nicht, das Liberale Forum sei beispielsweise gescheitert. „Wir sind aber natürlich auch keine rechte Zeitung“, stellt sie klar. Was aber im Umkehr nicht unbedingt das andere bedeute: „In manchen Bereichen sind wir klar links, zum Beispiel wenn es gegen Ausländerfeindlichkeit geht.“ Das bringe der Zeitung auch viele Anfeindungen – vor allem von der FPÖ. Von den Gebrüdern Scheuch hat die Zeitung im Moment 18 Klagen anhängig. DER STANDARD sei sicher die internationalste Zeitung Österreichs und definitiv kein Kampagnenmedium. Ziel sei es eher, mit Diskussionsveranstaltungen Dinge anzustoßen und kritischen Journalismus zu betreiben. „Ich möchte dieses Land ein bisschen öffnen und unseren Leserinnen und Lesen mitgeben, dass wir keine Insel der Seligen sind“, zeigt Föderl-Schmid auf. Viele gute Dinge über unser Land wie zum Beispiel sauberes Trinkwasser werden einem erst im Ausland klar. Für Eigentümer Oscar Bronner ist Gewinnmaximierung nicht oberstes Ziel. Zwei Drittel der Einnahmen kommen zwar aus der Werbung – doch damit liege man im internationalen Trend. Vor allem der Stellenmarkt macht im Vergleich zu anderen Tageszeitungen einen großen Teil des Kuchens aus. „Wir sind im akademischen Bereich sehr stark, das macht es für Unternehmen leichter an Absolventen heranzukommen“, merkt Föderl-Schmid an. „Und wir sind auch eine junge Tageszeitung“. Die Statistik gibt ihr auf jeden Fall recht: Mit einem Durchschnittsalter der Leserschaft von 42 Jahren liegt das Medium mehr als 20 Jahre unter jenem der „Krone“.

Webtipp: Der Bericht zum Nachsehen auf unserem BSA OÖ YouTube-Channel – www.youtube.com/user/bsaooe.